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Poltergeist (1982) – Ein Spuk, der mich kalt gelassen hat

Bild: MGM / Amblin Entertainment

📅 Erscheinungsjahr: 1982
🎬 Regie: Tobe Hooper
⏱ Laufzeit: 114 Minuten
🎭 Genre: Horror
🎼 Musik: Jerry Goldsmith
🎥 Gesehen: HBO Max (OV)


Keine Sorge, diese Review bleibt spoilerfrei!

Meine ermüdende Exkursion ins Emporium des Entsetzens geht weiter! Auf meiner viel zu langen Liste an Horrorklassikern steht diesmal Poltergeist – ein Film, der als Meilenstein des Haunted-House-Genres gilt. Hinter der Kamera stand Tobe Hooper, während niemand Geringeres als Steven Spielberg das Drehbuch schrieb und maßgeblich an der Produktion beteiligt war. Angeblich soll Spielberg am Set sogar so viel Einfluss ausgeübt haben, dass Hooper kaum noch kreative Kontrolle blieb.

Bei einem solchen Namen und dem Ruf, den sich der Film über die Jahrzehnte erarbeitet hat, waren meine Erwartungen entsprechend hoch. Umso ernüchternder war die Erfahrung: Poltergeist erwischte mich nicht nur auf dem falschen Fuß, sondern schaffte es auch bis zum Ende nicht, mich wirklich in seinen Bann zu ziehen.


Worum geht’s?

Die amerikanische Familie Freeling lebt ein normales Vorstadtleben in der fiktiven Wohnsiedlung Cuesta Verde in Kalifornien. Doch es wäre kein Horrorfilm, wenn das so bleiben würde, nicht wahr?

Zunächst häufen sich merkwürdige Ereignisse im Haus: Der Vogel der Familie stirbt, Möbel bewegen sich wie von Geisterhand. Eines Nachts läuft die junge Tochter Carol Anne vor den Fernseher, starrt in das rauschende Bild, und plötzlich beginnt das ganze Zimmer zu wackeln. Als die Eltern aufschrecken und sie fragen, was passiert sei, antwortet sie nur: „Sie sind hier.“


Wenn einem alle egal sind

Hier setzt bereits mein erster großer Kritikpunkt an: Die Figuren in diesem Film sind einfach strunzlangweilig.

JoBeth Williams und Craig T. Nelson spielen die Eltern Diane und Steven Freeling. In den ersten 20 Minuten, in denen das Familienleben noch völlig in Ordnung ist, funktionieren die beiden als liebevolle Eltern und Ehepaar zwar noch ganz gut. Doch sobald es ernst wird, wird gefühlt nur noch hysterisch geschrien und gejammert – und das wird mit der Zeit ziemlich anstrengend.

Auch die drei Kinder machen ihren Job zwar solide, aber mehr eben auch nicht. Die sind halt … da.

Und dann tauchen plötzlich noch die Geisterjäger rund um Dr. Lesh (Beatrice Straight) und das Medium Tangina Barrons (Zelda Rubinstein) auf, als wären sie gerade aus Ghostbusters rübergelaufen. Sie machen zwar ihren Job, bekommen aber keinerlei Hintergrundgeschichte und wirken dadurch letztlich ziemlich austauschbar.


Effekte aus der Hölle

Poltergeist fährt bei seinen Spezial- und visuellen Effekten ordentlich auf – leider wirken viele davon heute ziemlich übertrieben und sichtbar gealtert. Gerade die Kombination aus aufwendigen Effekten und der sehr bunten Farbpalette verleiht dem Film einen künstlichen Look, der für mich viel von der Atmosphäre zerstört. Dadurch wirkt er auch deutlich weniger zeitlos als etwa The Exorcist.

Genau hier hat mich der Film schon früh verloren. Statt eines atmosphärisch dichten Horrorfilms erinnert mich das Ganze eher an Ghostbusters – nur leider ohne dessen Charme und Humor. Und wenn beides wegfällt, bleibt für mich nicht mehr allzu viel übrig.

Auch der Score von Jerry Goldsmith ist keineswegs schlecht, weckte bei mir aber eher Assoziationen an einen Familienfilm oder eine Horrorkomödie als an einen wirklich ernsthaften Horrorfilm.

Natürlich spielt dabei auch meine Erwartungshaltung eine große Rolle. Wer genau diese Mischung aus Familienfilm und Spuk erwartet, kann hier wahrscheinlich durchaus seinen Spaß haben. Für mich hat diese Mischung allerdings leider nicht funktioniert.


Spuk ohne Schrecken

Auch erzählerisch fand ich den Film enttäuschend. Im Zentrum steht eine Familie, die in ihrem eigenen Haus eigentlich furchtbare Dinge erlebt. Durch die Inszenierung kommt diese Bedrohung für mich allerdings nie wirklich rüber. Die Gefahr bleibt abstrakt und der Horror wirkt erschreckend harmlos.

Hinzu kommt, dass mir die Charaktere schlichtweg egal sind. Selbst wenn alle einen schlimmen, qualvollen Tod sterben würden, würde ich vermutlich kaum mit der Wimper zucken.

So schleppt sich der Film gute 100 Minuten vor sich hin, bis irgendwann der Eindruck entsteht, dass das Ganze endlich vorbei ist. Dachte ich zumindest. Denn kurz vor Schluss hängt Poltergeist noch einmal rund 15 Minuten dran – und wird plötzlich deutlich besser.

Endlich wird klarer, warum dieser Ort von Geistern heimgesucht wird. Die Geschichte greift diesen Aspekt auf, die Inszenierung gewinnt an Fahrt und statt der zuvor so störenden, künstlich wirkenden Effekte kommen nun vermehrt praktische Effekte zum Einsatz.

Und auf einmal hat der Film genau die Ideen, die ich mir die ganze Zeit gewünscht hätte: Särge und Skelette, die plötzlich aus dem Boden schießen, Gänge, die immer länger und länger werden – nur um ein paar Beispiele zu nennen.

Und da frage ich mich ernsthaft: Wo zum Teufel waren diese Ideen den ganzen Film über?


Fazit: Zu spät, zu wenig

Poltergeist hat mich komplett auf dem falschen Fuß erwischt und es bis zum Ende nicht geschafft, mich wirklich mitzunehmen. In den letzten Minuten dreht der Film zwar noch einmal auf und liefert tatsächlich ein paar starke Einfälle, aber das ändert letztlich wenig am Gesamteindruck: zu spät, zu wenig.

Die visuellen Effekte sind größtenteils ziemlich schlecht gealtert. Und ich habe grundsätzlich nichts gegen Filme aus den 80ern – im Gegenteil! Es gibt genügend Horrorfilme aus dieser Zeit, die für mich deutlich besser funktionieren und auch heute noch eine bedrohliche Atmosphäre aufbauen.

Das größte Problem ist für mich jedoch, dass sich Poltergeist viel zu ernst nimmt, ohne dabei eine wirklich bedrohliche Atmosphäre aufzubauen. Über weite Strecken wirkt der Film deshalb eher wie ein Familienfilm mit Horrorelementen als wie ein vollwertiger Horrorfilm.

🔥 Bewertung: 5.5/10

Das war’s von mir. Tschüss.

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