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The Exorcist (1973) – Lohnt sich der Horror-Klassiker heute noch?

Bild: Warner Bros. Pictures

📅 Erscheinungsjahr: 1973
🎬 Regie: William Friedkin
⏱ Laufzeit: 132 Minuten (Director’s Cut) / 122 Minuten (Originalfassung)
🎭 Genre: Horror, Drama
🎥 Gesehen: HBO Max (OV)


Keine Sorge – diese Review bleibt spoilerfrei!

Es ist wieder soweit: Spooky Season! Für mich bedeutet das mehrere Wochen unruhigen Schlaf, weil ich mich wieder einigen Vertretern des Horror-Genres widmen werde. Der Fluch eines Film-Enthusiasten, befürchte ich.

Den Anfang meiner miserablen Reise in die Schlaflosigkeit macht der Klassiker The Exorcist aus dem Jahr 1973. Ein Film, der oft als „Mona Lisa“ seines Genres bezeichnet wird und zwei Oscars gewinnen konnte. Bis jetzt lag er auf meinem Stapel der Schande, doch nun habe ich ihn endlich nachgeholt – genauer gesagt den Director’s Cut.


Worum geht’s?

The Exorcist erzählt die Geschichte der zwölfjährigen Regan, Tochter einer bekannten Schauspielerin. Nach und nach zeigt das Mädchen immer beunruhigendere Verhaltensweisen. Zunächst sucht man die Ursachen in der modernen Medizin und Psychiatrie, doch als sich auch Regans Körper auf verstörende Weise verändert, wendet sich die Mutter schliesslich an die katholische Kirche.

Ein junger Priester, der selbst mit seinem Glauben ringt, bittet einen erfahrenen Exorzisten um Hilfe, um die vermutete dämonische Besessenheit zu beenden und das Leben des Mädchens zu retten. Ein ganz normaler Sonntag also.


Figuren im Fokus: Priester, Mutter, Tochter

Linda Blair spielt die zwölfjährige Regan MacNeil. Gerade zu Beginn gelingt es ihr, ein ganz normales Mädchen und die liebevolle Beziehung zu ihrer Mutter glaubhaft darzustellen. Dadurch habe ich später umso mehr mit ihr mitgefühlt, und die Besessenheit hatte für mich ein echtes emotionales Gewicht. In vielen körperlich extremen Szenen des Exorzismus wurde sie aus Jugendschutzgründen allerdings von der erwachsenen Schauspielerin Eileen Dietz gedoubelt.

Die Rolle der Mutter übernimmt Ellen Burstyn. Ihre Performance fand ich stellenweise etwas anstrengend. Natürlich ist es nachvollziehbar, dass eine Mutter in einer solchen Situation hysterisch reagiert, aber für meinen Geschmack waren einige ihrer Ausbrüche überzogen. Ich war deshalb ganz froh, dass der Fokus im letzten Drittel stärker auf den Priestern lag.

Hervorheben möchte ich Jason Miller als Pater Damien Karras, der mich optisch die ganze Zeit an Sylvester Stallone in Rocky erinnert hat. Aber vielleicht geht das auch nur mir so. Er spielt den Priester mit einer unglaublichen Ruhe und Wärme und trägt für mich den Film. Seine innere Zerrissenheit und sein Zweifel am eigenen Glauben machen ihn zur vielschichtigsten und interessantesten Figur.

Bild: Jason Miller als Father Damien Karras / Warner Bros. Pictures

Der restliche Cast hat eher kleinere Rollen, schafft es aber, eine glaubwürdige und packende Atmosphäre aufzubauen.


Handgemachter Horror

Optisch sieht der Film überraschend gut aus. Produktionen aus dieser Zeit haben oft eine gewisse Hochwertigkeit, die vielen heutigen Filmen fehlt. Durch das Fehlen von CGI ist The Exorcist komplett auf praktische Effekte angewiesen – und das tut ihm gut. Besonders das Make-up und die Kostüme leisten hier hervorragende Arbeit. Regans äussere Verwandlung wirkt erschreckend überzeugend und sorgt für einige verstörende Bilder, die sich ins Gedächtnis einbrennen.

Gerade zu Beginn wird viel mit Statisten gearbeitet, also Menschen im Hintergrund, die nichts zur Handlung beitragen, dafür aber enorm zur Atmosphäre beitragen. Das lässt den Film unglaublich real wirken, fast dokumentarisch.

Auch der Soundtrack ist stark und treibt den Film gut voran. Besonders, wenn das ikonische Theme von Mike Oldfield einsetzt, entsteht ein gewisser Wiedererkennungswert und eine unterschwellige Beklemmung – genau die Stimmung, die der Film erzeugen will.


Wenn der Film endlich loslegt …

Storytechnisch fand ich den Film vor allem am Anfang eher schwach. Die Originalfassung geht 122 Minuten, der von mir gesehene Director’s Cut sogar rund zehn Minuten länger – und das merkt man. Der Film braucht relativ lang, bis die eigentliche Geschichte wirklich Fahrt aufnimmt.

Gerade die Sequenz zu Beginn in einer Ausgrabungsstätte im Irak wirkt im Nachhinein erstaunlich irrelevant. Für mich hätte man diesen Teil problemlos kürzen oder ganz weglassen können, ohne viel zu verlieren.

Doch irgendwann macht es klick, und der Film legt richtig los. Ab diesem Punkt wird er von Minute zu Minute intensiver und steigert sich bis zu einem emotional aufgeladenen Finale.

Die Dialoge sind teilweise richtig stark geschrieben und lassen den Film deutlich authentischer wirken als viele andere Horrorfilme. Statt plumpem „Trash-Horror“ bekommt man hier eher ein Drama mit übernatürlichen Elementen. Es gibt keine dauernden Jumpscares und nicht an jeder Ecke ein billiges Gruselelement. The Exorcist ist in erster Linie ein gut geschriebener Film, der sich langsam steigert und am Ende den Fokus auf die richtigen Figuren und Konflikte legt.


Fazit: Ein Klassiker mit kleinen Schwächen

Ich kann absolut verstehen, warum The Exorcist als Klassiker seines Genres gilt. Der Film stellt seine Figuren in den Vordergrund, statt sich auf übertriebene Horrorelemente zu verlassen. Vor allem im letzten Drittel zieht er deutlich an und erschafft Bilder, die im Kopf bleiben.

Allerdings braucht er für meinen Geschmack zu lange, um seinen Rhythmus zu finden. Einige der frühen Szenen wirken im Nachhinein nicht besonders wichtig für die eigentliche Geschichte.

Trotz dieser Schwächen konnte mich der Film am Ende überzeugen – auch wenn ich nach dem Abspann mit der einen oder anderen unbeantworteten Frage zurückgelassen wurde.

🔥 Bewertung: 7.5/10

Das war’s von mir. Tschüss!

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