Bild: HBO Max
📅 Erscheinungsjahr: 2026
⏱ Laufzeit: 8 Episoden à ca. 51–56 Minuten
🎭 Genre: Superhelden, Mystery, Crime
🎥 Gesehen: HBO Max (OV)
Keine Sorge – diese Review bleibt spoilerfrei!
Mit Lanterns liefert James Gunn nach Creature Commandos und Peacemaker die dritte Serie seines neuen DC Universe ab. Die Grundlage bildet die Comic-Reihe Green Lantern. Seit dem 5. Oktober ist die erste Staffel vollständig auf HBO Max verfügbar – und sie lässt mich zwiegespalten zurück.
Einerseits schafft es die Serie, etwas umzusetzen, das ich mir im Superhelden-Kosmos seit Jahren wünsche. Andererseits hat Lanterns aus meiner Sicht aber auch einige Schwächen, die verhindern, dass mich die Serie vollends überzeugen kann.
Worum geht’s?
Die Green Lanterns sind intergalaktische Friedenswächter, die mithilfe eines grünen Power Rings ihre Vorstellungskraft manifestieren und so für Recht und Ordnung im Universum sorgen. Lanterns erzählt die Geschichte des erfahrenen Lanterns Hal Jordan und seines neuen Rekruten John Stewart.
Die beiden untersuchen einen Mord in Rushville, Nebraska – und zu Beginn stellt man sich zu Recht die Frage: Warum kümmern sich interplanetare Polizisten um einen „einfachen“ Mord in den USA?
Ganz einfach: Hal Jordans Bauchgefühl sagt ihm, dass hier mehr dahintersteckt. Und er soll Recht behalten, denn schon bald finden sie sich in einem Geflecht aus Lügen wieder … und Aliens.
Sympathisches Arschloch trifft pflichtbewussten Soldaten
Kyle Chandler spielt Hal Jordan, den ich am ehesten als „sympathisches Arschloch“ beschreiben würde. Er hat immer einen Spruch auf den Lippen, ist sarkastisch, oft schroff und nicht unbedingt der freundlichste Mensch im Umgang mit anderen.
Und trotzdem verleiht ihm Chandler so viel Charme und Herz, dass man ihn einfach gernhat. Besonders stark wird es, wenn die Serie einen Blick in Hals Vergangenheit wirft und zeigt, warum er so geworden ist, wie er heute ist. Diese emotionalen Momente trägt Chandler mühelos.
Als Gegenpol steht Aaron Pierre als John Stewart. Er ist ein ehemaliger Militär-Scharfschütze, konditioniert darauf, Befehle auszuführen, ohne sie zu hinterfragen. Zu Beginn wirkt er dementsprechend emotionsarm, furchtlos, fast schon wie eine Maschine.
Im Verlauf der Staffel erfahren wir mehr über seine Vergangenheit – und John auch mehr über sich selbst. Er beginnt, sein Leben, seine Entscheidungen und seine Bestimmung zu hinterfragen. Pierre spielt diese Entwicklung überzeugend, und gerade im Zusammenspiel mit Hal Jordan funktioniert sein Charakter richtig gut.
Ergänzt wird das Ensemble durch Kelly Macdonald als Sheriff Kerry Kane aus Rushville sowie Nathan Fillion als Guy Gardner / Green Lantern, den wir bereits aus Superman (2025) kennen.
Düsterer Look statt bunter Space-Opera
Optisch macht Lanterns einen sehr hochwertigen Eindruck. Die Farbpalette ist eher düster gehalten, was gut zum Mystery- und Crime-Ton passt, den die Serie anschlägt.
Die wenigen Actionsequenzen sind hochwertig inszeniert. Auch wenn die Green Lanterns mit ihren Ringen Dinge erschaffen, fügt sich das stimmig in das Setting ein.
Die Kostüme sind meist bodenständig: Militäruniformen, Alltagskleidung, Kleinstadt-Setting. Das Lantern-Kostüm von Hal Jordan sieht, wenn es denn mal zu sehen ist, sehr gut aus – nur kommt es insgesamt viel zu selten zum Einsatz, was ich persönlich etwas schade finde.
Eine Story, die nicht weiß, was sie sein möchte
Die Serie wurde im Vorfeld als „True Detective im DC-Universum“ beschrieben, und diesen Vergleich kann ich durchaus nachvollziehen. Lanterns fühlt sich über weite Strecken sehr geerdet an und eher wie ein Krimi mit Sci-Fi-Elementen als wie eine klassische Superheldenserie.
Und genau hier trifft Lanterns eigentlich einen Nerv bei mir. Ich wünsche mir seit Jahren, dass Marvel und DC bei manchen Projekten einfach einmal einen Schritt weg vom typischen 08/15-Superheldenstoff machen. Nicht jede Geschichte muss die Welt retten, mit spektakulären Kämpfen um sich werfen oder das nächste große Crossover vorbereiten. Manchmal möchte ich einfach eine richtig gut erzählte Geschichte mit interessanten Figuren sehen, die zufällig im Marvel- oder DC-Universum spielt.
Und genau das versucht Lanterns – zumindest teilweise. Die Serie setzt auf einen geerdeten Kriminalfall, Mystery und die Dynamik zwischen zwei sehr unterschiedlichen Hauptfiguren. Grundsätzlich ist das genau die Richtung, die ich mir wünsche. Umso enttäuschender finde ich, dass die Umsetzung für mich nicht ganz aufgeht.
Denn ausgerechnet der Titel wird der Serie meiner Meinung nach ein Stück weit zum Verhängnis. Wir sprechen hier schließlich von den Green Lanterns, intergalaktischen Friedenswächtern, deren Geschichten in den Comics von fremden Planeten, außerirdischen Kulturen und den unterschiedlichsten Spezies geprägt sind. Da erwartet man natürlich auch ein gewisses Maß an kosmischem Wahnsinn. Lanterns möchte aber gleichzeitig ein bodenständiger Crime-Thriller sein und scheint deshalb nicht so recht zu wissen, wie viel Science-Fiction es tatsächlich zulassen will.
Aliens und eine größere Bedrohung werden zwar ins Spiel gebracht, bleiben aber auffällig im Hintergrund. Viele der ausserirdischen Figuren treten in menschlicher Form auf, und das kosmische Ausmaß, das die Serie immer wieder andeutet, kommt für mich nie wirklich zur Geltung. Dadurch wirkt das Ganze etwas halbherzig: Die Serie möchte die Bodenständigkeit eines Krimis mit dem Potenzial des Green-Lantern-Universums verbinden, schöpft aber keines von beidem vollständig aus.
Das ist schade, denn ich hätte überhaupt kein Problem damit, wenn Lanterns eine ruhigere, charakterorientierte Geschichte erzählt. Im Gegenteil: Genau das begrüsse ich. Ich hätte mir nur gewünscht, dass die Serie ihren eigenen Ansatz konsequenter verfolgt, anstatt das Gefühl zu vermitteln, sie müsse zwischendurch doch noch ein paar typische Superhelden-Elemente unterbringen.
Dazu kommt eine Erzählstruktur, die auf mich teilweise unrund und holprig wirkt. Es ist nicht immer klar, worauf die Serie ihren Fokus legen möchte. Wir beginnen im Jahr 2016, springen relativ früh ins Jahr 2026 und bekommen Ereignisse vorweggenommen, die erst später in der Staffel wieder aufgegriffen werden. Dazu kommt Folge 3, «OutKast», die sich komplett auf Johns Vergangenheit konzentriert. Inhaltlich ist das durchaus sinnvoll, weil es seiner Figur mehr Tiefe verleiht. Gleichzeitig unterbricht die Folge den erzählerischen Fluss spürbar.
Ähnlich ist es mit Folge 5, „Lights Out“, die sich für mich fast mehr wie ein Staffelfinale anfühlt als die eigentliche Abschlussfolge 8. Die Dramaturgie wirkt dadurch etwas verschoben, als hätte man die Höhepunkte nicht optimal verteilt.
Trotz all dieser Kritik schafft es Lanterns immer wieder, starke Momente zu kreieren – emotional wie humorvoll. Gerade die Dialoge sind teilweise richtig stark geschrieben.
Viele Szenen bleiben im Gedächtnis, gerade wenn es um die Dynamik zwischen Hal und John geht. Ihre Wortgefechte, Streitigkeiten und sogar handgreiflichen Auseinandersetzungen sind auf eine Art inszeniert, die als Zuschauer Spaß macht und Lust auf mehr Interaktionen der beiden Figuren weckt.
Fazit: Starke Figuren, schwankende Story – trotzdem sehenswert
Lanterns nimmt sich in seinen acht Folgen Zeit, seine Figuren aufzubauen. Vor allem John Stewart bekommt eine solide Origin-Story, die mit Blick auf seine zukünftige Rolle in Man of Tomorrow (2027) durchaus Sinn ergibt.
Die Geschichte innerhalb dieser ersten Staffel konnte mich allerdings zu keinem Zeitpunkt zu 100 Prozent abholen. Sie wirkt holprig strukturiert und oft unrund erzählt.
Und dennoch: Irgendwie war die Serie spannend genug, dass ich mich jedes Mal auf die nächste Folge gefreut habe.
Die starken Darstellerleistungen, die Chemie zwischen Hal und John und einige wirklich gelungene Momente tragen Lanterns über seine erzählerischen Schwächen hinweg.
🔥 Bewertung: 7/10
Das war’s von mir – bis zum nächsten Mal!


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