Bild: Searchlight Pictures
📅 Erscheinungsjahr: 2026
⏱ Laufzeit: 118 Minuten
🎬 Regie: Martin McDonagh
🎭 Genre: Drama, Komödie
🎥 Gesehen: Zurich Film Festival 2026 (OV)
Keine Sorge – diese Review bleibt spoilerfrei!
Ich durfte den Film bei der Gala-Premiere im Rahmen des diesjährigen Zurich Film Festival in Anwesenheit des Regisseurs Martin McDonagh sehen. McDonagh wurde vor der Vorstellung mit dem „A Tribute To…“-Award für sein filmschöpferisches Wirken ausgezeichnet, bevor er selbst noch einige Worte zu seinem neuesten Film sagte.
Mit Filmen wie Three Billboards Outside Ebbing, Missouri oder The Banshees of Inisherin hat McDonagh bereits bewiesen, dass er einen ganz eigenen Stil hat. Um den Film zu sehen, müsst ihr euch allerdings noch etwas gedulden: Wild Horse Nine startet erst am 5. November 2026 regulär in den deutschen Kinos.
Worum geht’s?
Wild Horse Nine spielt im Chile des Jahres 1973, kurz vor dem historischen Militärputsch gegen Präsident Salvador Allende. Im Zentrum der Geschichte stehen jedoch weniger die politischen Ereignisse als vielmehr die beiden zynischen, aber eng befreundeten CIA-Agenten Chris und Lee. Der Putsch dient eher als atmosphärische Rahmenhandlung und steht nie wirklich im Fokus.
Die beiden werden von ihrem Chef aus der Hauptstadt abgezogen und auf die abgelegene Osterinsel versetzt. Inmitten dieser ikonischen Kulisse droht die Situation allmählich zu eskalieren, als der gesundheitlich wie mental angeschlagene Chris beginnt, zwei idealistischen Studentinnen Staatsgeheimnisse auszuplaudern.
Was als taktisches Abschieben durch die CIA beginnt, entwickelt sich langsam, aber sicher zu einer spannenden Zerreißprobe aus Loyalität, Schuld und Chaos.
Figuren statt Feuerwerk
Martin McDonagh stellt in seinen Filmen immer wieder die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander in den Mittelpunkt. Dafür braucht es Schauspieler, die das auch tragen können. Hier setzt er auf Sam Rockwell, mit dem er bereits in zwei anderen Filmen zusammengearbeitet hat, und zum ersten Mal auf John Malkovich.
Malkovich spielt Chris – einen Mann, der schon alles gesehen und erlebt hat. Gleichzeitig geht es ihm körperlich wie mental immer schlechter, und er weiß, dass seine Tage gezählt sind. Sein Charakter ist abgebrüht und in vielen Situationen taff, doch Malkovich verleiht Chris eine große Verletzlichkeit, sodass die Figur erstaunlich vielschichtig wirkt.
Sam Rockwell gehört für mich schon länger zu meinen Lieblingsschauspielern. Meinen ersten Kontakt mit ihm hatte ich in Iron Man 2 als Justin Hammer, und seitdem sehe ich ihn in jeder neuen Rolle gerne. In Wild Horse Nine spielt er Lee: cool, lässig und immer mit einem Spruch auf den Lippen. Besonders dann, wenn er zwischen der CIA und seinem langjährigen Partner hin- und hergerissen ist und seine Loyalität auf die Probe gestellt wird, kann Rockwell sein ganzes Potenzial ausspielen.
Das Ensemble wird durch Steve Buscemi, Tom Waits und Mariana di Girolamo ergänzt. Alle scheinen sichtlich Spaß an ihren Rollen zu haben und fügen sich wunderbar in die Geschichte ein.
Die Osterinsel als Bühne
McDonagh siedelt seine Geschichten gerne an Orten an, die im Gedächtnis bleiben. Zuletzt spielte The Banshees of Inisherin auf einer fiktiven irischen Insel – diesmal wählt er die Osterinsel, die er nach eigenen Angaben schon lange im Kopf hatte.
Und dieses Setting funktioniert hervorragend. Ob die mystischen Moai-Köpfe, die grünen Hügel oder die Strände – die Insel bietet unglaublich viele schöne Szenerien, die McDonagh natürlich gekonnt einfängt.
Immer wieder gibt es Szenen, die aussehen, als wären sie durch die Kamera einer der Hauptfiguren gefilmt worden. Das gibt dem Ganzen einen zusätzlichen stilistischen Touch.
Humor mit Herz
Bereits in The Banshees of Inisherin hat McDonagh bewiesen, dass er ein gutes Händchen für Humor hat. Wild Horse Nine setzt da aber noch einmal einen drauf.
Der Film hat zahlreiche Witze, die hervorragend funktionieren – der ganze Kinosaal hat laut losgelacht. Vor allem entsteht der Humor durch die Wortgefechte der beiden Hauptcharaktere.
Fairerweise muss ich hier noch anmerken: Der Saal war ausverkauft, und Komödien funktionieren nun mal besser, wenn nicht nur drei Leute im Publikum sitzen, wovon zwei am Smartphone hängen. Aber der Film ist wirklich witzig.
Trotzdem wirkt hier nichts bloß albern. Im Gegenteil: Der Humor hilft der Geschichte dabei, gegen Ende eine unerwartete emotionale Wucht zu entwickeln, sodass das Finale definitiv im Gedächtnis bleibt.
Was ich allerdings auch sagen muss: Der Film ist relativ langsam erzählt. Wie schon erwähnt, liegt der Fokus klar auf Charakteren, Beziehungen und Dialogen. Für meinen Geschmack wirkt der Mittelteil teilweise etwas langatmig – nicht wirklich langweilig, aber doch etwas gedehnt.
Vielleicht lag das aber auch daran, dass ich bereits einen langen Tag hinter mir hatte und der Film erst gegen 21:30 Uhr begann.
Fazit: Charakterstudie im Paradies
Wie schon seine letzten beiden Filme finde ich auch Wild Horse Nine richtig stark. Der Film verbindet gelungenen Humor mit emotionalen und teils melancholischen Momenten und lebt dabei vor allem von seinen beiden Hauptdarstellern.
Man sollte sich allerdings darauf einstellen, dass die Geschichte eher ruhig und langsam erzählt wird. Wer sich darauf einlässt, bekommt gerade im letzten Drittel eine überraschende emotionale Wucht geliefert.
🔥 Bewertung: 8/10
Das war’s von mir – bis zum nächsten Mal!


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