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Fragwürdige Reviews.

Monster: The Lizzie Borden Story (2026) – Starke Bilder, höchst fragwürdige Moral

Bild: Netflix

📅 Erscheinungsjahr: 2026
⏱ Laufzeit: 8 Episoden à 40–65 Minuten
🎭 Genre: True Crime, Drama
🎥 Gesehen: Netflix (OV)


Monster: The Lizzie Borden Story ist die vierte Staffel der biografischen True-Crime-Anthologie Monster und seit dem 17. September 2026 auf Netflix zu sehen. In den bisherigen Staffeln standen Jeffrey Dahmer, Lyle und Erik Menendez sowie zuletzt Ed Gein im Mittelpunkt.

The Jeffrey Dahmer Story fand ich damals noch unglaublich stark, danach wurden die Staffeln für mich allerdings laufend schwächer. Wie gut ist also diese neue Staffel gelungen?


Worum geht’s?

Im Mittelpunkt von The Lizzie Borden Story steht – wer hätte es gedacht – Lizzie Borden. Sie lebt in einem tyrannischen viktorianischen Haushalt unter ihrem wohlhabenden Vater Andrew und ihrer Stiefmutter Abby.

Zwischen Lizzie und dem Dienstmädchen entwickelt sich eine leidenschaftliche Beziehung, aus der zunehmend der Wunsch nach Freiheit entsteht. Und wie könnte man diese Freiheit besser erlangen, als seine Eltern mit über 40 brutalen Axthieben zu ermorden?


Überzeichnete Figuren statt echter Menschen

Die ersten beiden Staffeln (Dahmer und The Menendez Brothers) fand ich schauspielerisch noch richtig stark. Bei Ed Gein driftete man bereits in eine etwas überspitzte Darstellung ab, was aufgrund der psychischen Verfassung der Figur noch halbwegs funktionierte. Hier tut es das für mich nicht mehr.

Gerade die ersten beiden Folgen fand ich richtig schwach. Beinahe alle Figuren sind derart überzeichnet, dass sie für mich kaum glaubwürdig wirken. Besonders deutlich wird das in Folge zwei: Nachdem die Eltern eine schlechte Suppe gegessen haben, müssen sie sich beide übergeben. Die Szene ist derart übertrieben inszeniert, dass ich fast lachen musste. Aber genau das möchte ich bei einer solchen Serie eigentlich nicht. Wenn eine solche Szene unfreiwillig komisch wirkt, läuft für mich etwas gehörig schief.

Ella Beatty spielt Lizzie Borden. Sie ist für mich noch die stärkste im Cast, erreicht aber nie das Niveau eines Evan Peters als Jeffrey Dahmer. Problematisch finde ich zudem, dass in der Serie ständig betont wird, wie hässlich und abstoßend Lizzie sei und dass sie deshalb keinen Mann finde – was schlicht nicht zu dem passt, wie sie tatsächlich inszeniert wird.

Charlie Hunnam spielt den Vater Andrew Borden – lustigerweise hat er in Staffel 3 bereits Ed Gein verkörpert. Auch er ist jedoch so überzeichnet angelegt, dass er für mich kaum wie ein echter Mensch wirkt.

Am schlimmsten ist Rebecca Hall als Stiefmutter Abby Borden. Sie ist so klischeehaft böse, dass man gar nicht anders kann, als sie zu hassen. Mir ist klar, dass das vermutlich genau die Intention ist. Aber wenn eine Serie die späteren Mordopfer so stark zu den „eigentlichen Tätern“ stilisiert, habe ich damit ein großes Problem.


Viktorianische Kulissen, furchtbarer Soundtrack

Ich hätte nie gedacht, dass ich mich einmal so deutlich über einen Soundtrack beschweren würde – schon gar nicht, wenn Songs aus den 70ern, 80ern und 90ern vorkommen. Aber wenn ich einen brutalen Mord sehe und im Hintergrund fröhlich „Cherry Bomb“ von The Runaways läuft, passt das für mich einfach nicht zusammen. Und solche Brüche gibt es in der Staffel leider öfter.

Optisch ist die Serie hingegen stark. Kulissen, Kostüme und Make-up sind über weite Strecken sehr gelungen. Viktorianische Gebäude, die Kleidung und die blutverschmierten Gesichter – das sieht grundsätzlich professionell aus.

Problematisch wird es erst, wenn die Serie mit Lizzie Borden etwa 30 Jahre in die Zukunft springt, die Figuren aber praktisch identisch aussehen. Das „Alter“ wird dann teilweise nur dadurch markiert, dass sich ein Charakter ein einziges graues Haar ausreißt – und das wirkt eher unfreiwillig komisch als glaubwürdig.


Glorifizierte Killerin und wackelige Grundlage

⚠️ Spoiler für den Fall Lizzie Borden: Wer den Fall noch nicht kennt und die Serie völlig unvoreingenommen schauen möchte, kann direkt zum Fazit springen.

Schon seit der ersten Staffel rund um Dahmer gibt es die Kritik, Monster würde Serienkiller glorifizieren. Bisher konnte ich das nicht unterschreiben: Die Täter wurden durchaus als das gezeigt, was sie sind – Monster – und ich hatte nicht das Gefühl, dass man sie romantisiert.

Anders ist es hier. Durch das extrem abstoßende Verhalten der Eltern versucht die Serie, die späteren Opfer zu den eigentlichen Tätern zu machen. Gegen Ende geht man noch weiter und versucht tatsächlich, Lizzie Borden als starke feministische Vorbildfigur zu inszenieren.

Ein zweiter großer Kritikpunkt ist für mich die Wahl von Lizzie Borden als Protagonistin an sich. In den ersten drei Staffeln hat man Täter gezeigt, die ihre Taten nachweislich begangen haben oder zumindest verurteilt wurden. Lizzie Borden hingegen war zwar die Hauptverdächtige, wurde vor Gericht aber freigesprochen. Bis heute weiß man nicht, ob sie die Morde tatsächlich begangen hat.

Auf dieser Grundlage eine Serie zu machen, die Lizzie im Prinzip klar als Täterin zeichnet und gleichzeitig emotional verteidigt, funktioniert für mich als Prämisse nicht.

Interessanterweise funktioniert die Serie für mich immer dann am besten, wenn sie Lizzie Borden für einen Moment hinter sich lässt und einige Jahre in die Zukunft zu Aileen Wuornos springt, die zwischen 1989 und 1990 nachweislich sieben Männer tötete.

In diesen Szenen ist die Serie plötzlich sehr stark – so sehr, dass ich mir im Nachhinein gewünscht hätte, man hätte die Staffel komplett Aileen Wuornos gewidmet und Lizzie Borden nur in Flashbacks oder als Gegenpol eingebunden.


Fazit: Optisch überzeugend, inhaltlich entgleist

Zu Beginn fand ich die Staffel richtig schwach. In der Mitte beruhigt sich das Ganze etwas – gerade, weil die Episoden immer wieder zu Aileen Wuornos springen. Gegen Ende verliert mich die Serie dann aber komplett, da sie für mich eine höchst fragwürdige Moral vertritt.

Ich glaube, die Staffel hätte für mich besser funktioniert, wenn man nicht so offensiv damit werben würde, dass alles auf „wahren Begebenheiten“ basiert. Beim Schreiben dieser Review ist mir erst so richtig bewusst geworden, wie stark meine Bewertung im Vergleich zu meinem ursprünglichen Bauchgefühl gesunken ist.

🔥 Bewertung: 5/10

Und das tut besonders weh, da ich The Jeffrey Dahmer Story tatsächlich noch mit 9.5/10 Punkten bewertet habe.

Das war’s von mir – bis zum nächsten Mal!

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