Ehrliche Meinungen.
Fragwürdige Reviews.

Digger (2026) – Ein moderner Klassiker?

Bild: Warner Bros. Pictures

📅 Erscheinungsjahr: 2026
⏱ Laufzeit: 128 Minuten
🎬 Regie: Alejandro González Iñárritu
🎭 Genre: Satire, Schwarze Komödie
🎥 Gesehen: IMAX (OV)


Keine Sorge – diese Review bleibt spoilerfrei!
(Auch wenn es extrem schwer ist, über diesen Film zu sprechen, ohne zu spoilern.)

Digger ist der neue Film des mexikanischen Regisseurs Alejandro González Iñárritu. Mit Birdman or (The Unexpected Virtue of Ignorance) (2014) und The Revenant (2015) gewann er bereits insgesamt vier Oscars – unter anderem für Beste Regie und Bester Film. Mit Digger legt er nun erstmals seit diesen beiden Werken wieder einen englischsprachigen Film vor.

Nach den ersten Trailern zu Digger war ich sofort fasziniert und musste den Film unbedingt sehen. Als dann die ersten Kritiken erschienen, waren die Meinungen ziemlich gespalten.

Jetzt habe ich Digger selbst auf der großen Leinwand gesehen und kann sehr gut nachvollziehen, warum der Film einigen nicht gefällt. Zwischendurch war ich mir selbst nicht sicher, ob er wirklich etwas für mich ist. Am Ende aber hat er mich komplett überzeugt.

Ich liebe ihn.


Worum geht’s?

Der Film dreht sich um die Allmachtsfantasien des Erdöl-Tycoons Digger Rockwell. Jahrelang hat er Regeln umgangen, Berichte gefälscht und Öl in unfassbaren Mengen gefördert. Doch nun scheint der Zeitpunkt gekommen zu sein, an dem Mutter Natur sich das nicht länger gefallen lässt.

Angesichts der von ihm mitverursachten Umweltkatastrophe versucht Rockwell, sich als Retter der Welt zu inszenieren – natürlich so, dass er die Geschichte zu seinen Gunsten umschreibt.

Er sagt im Film selbst:

„They know the facts. The story has yet to be told.“


Die Oscars rufen: Tom Cruise als Digger Rockwell

Digger ist die erste Non-Franchise-Rolle von Tom Cruise seit American Made (2017). Hier spielt er Digger Rockwell – einen exzentrischen Mann, dem es in erster Linie darum geht, selbst gut dazustehen und zu profitieren, selbst wenn das bedeutet, den gesamten Planeten in den Abgrund zu führen.

Cruise spielt hier grandios auf und ist für mich definitiv einer der besten Kandidaten für die nächsten Oscars. Viel mehr kann ich nicht erzählen, ohne zu spoilern, aber man bekommt genau das, was die Trailer versprechen – nur noch intensiver. Cruise spielt sich hier sprichwörtlich die Finger wund und wirft alles in diese Rolle, was er hat.

Besonders hervorheben möchte ich auch Riz Ahmed als Klimaverantwortlichen Dr. Ganesh. Er bildet den Gegenpol zu Rockwell: ein studierter, intelligenter Mann, umgeben von größenwahnsinnigen Präsidenten und Milliardären.

Selbst wenn er all seinen Mut zusammennimmt und vor einem internationalen Gremium die Wahrheit darüber ausspricht, was Digger Rockwell und seine Firma angerichtet haben, schafft es Rockwell doch wieder, sich herauszureden.

Der Cast wird ergänzt durch John Goodman als Präsident Compson, die deutsche Schauspielerin Sandra Hüller als Diggers Schwester und Jesse Plemons als Kenny. Alle drei haben im Film ihre Momente und liefern starke Performances ab.


Wenn Bilder und Musik perfekt zusammenspielen

Digger ist wahrscheinlich einer der schönsten und interessantesten Filme, die ich je auf der großen Leinwand gesehen habe.

Die Kulissen sind faszinierend – vom pompösen Anwesen Diggers bis hin zu den imposanten Ölplattformen. Alles sieht hochwertig und handgemacht aus.

Kostüme und Sets greifen perfekt ineinander und erzeugen Bilder, die mir auch Tage nach dem Film noch im Kopf bleiben. Ein Beispiel: Wenn Digger Rockwell vor einem internationalen Gremium auftritt, sind alle anderen in farblosen, grauen Anzügen gekleidet – nur er trägt einen knallroten Anzug und einen Cowboyhut.

Und wenn er dann darüber spricht, wie er in der Vergangenheit gelogen und betrogen hat, und die Kamera auf eine Statue der römischen Göttin der Gerechtigkeit, Justitia, schwenkt, hat das eine ganz klare Bildsprache.

Der Soundtrack und auch das generelle Sounddesign sind ebenfalls grandios. An manchen Stellen hat mich die Wucht des Tons regelrecht in den Kinosessel gedrückt.

Komponiert wurde das Ganze von Cosmo Sheldrake – und das hier ist tatsächlich sein Debüt als Filmkomponist. Ich bin mir sicher: Das ist jemand, den man in Zukunft im Auge behalten sollte … oder besser gesagt: im Ohr.

Zirpen von Grillen.

Nun ja, wie dem auch sei:

Alles in allem hatte ich das Gefühl, gerade einen modernen Klassiker gesehen zu haben – einen Film, auf den man in ein paar Jahren vermutlich deutlich positiver zurückblicken wird als heute.


Warum Digger nicht für alle funktioniert

Dass der Film nicht für jeden etwas sein würde, war mir schon nach den Trailern klar. Der Trailer verspricht aber genau das, was der Film am Ende auch liefert: eine rabenschwarze Filmsatire, die stellenweise unglaublich witzig ist und aus meiner Sicht einen starken, pointierten Humor hat.

Die Figuren – etwa der Präsident der USA – sind natürlich bewusst überspitzt dargestellt, aber gleichzeitig leider auch nicht mehr so weit von unserer Realität entfernt, wie man vielleicht denken möchte.

Die USA kommen in diesem Film generell alles andere als gut weg und werden oft ins Lächerliche gezogen. Ich kann mir gut vorstellen, dass genau das für einige amerikanische Kritiker ein Problem war. Ich persönlich fand den Film gerade deswegen umso witziger.

Gleichzeitig behandelt Digger aber auch ernste Themen wie die Klimaerwärmung und deren Folgen für die gesamte Weltbevölkerung – allerdings ohne dem Publikum ständig mit der Moralkeule zu drohen.

Nach dem ersten Drittel schlägt der Film zudem einen überraschenden Twist ein, den ich so nicht habe kommen sehen. Dadurch erhält der Film eine zusätzliche Metaebene. Anfangs fand ich diese Richtung sehr gewagt, aber rückblickend passt sie sehr gut zur Erzählweise und verleiht dem letzten Akt nochmals deutlich mehr Gewicht.


Fazit: Kassenflop mit Klassiker-Potenzial

Leider zeichnet sich schon jetzt ab, dass Digger einer der größten finanziellen Flops des Jahres werden dürfte. Und das ist wirklich schade.

Ständig hört man Beschwerden, Hollywood hätte nur noch Sequels, Prequels und Reboots zu bieten. Aber wenn dann endlich jemand etwas Neues wagt, bleibt das Publikum zu Hause.

Nicht (nur) Hollywood ist das Problem – sondern auch die Leute, die scheinbar nur noch für den 27. Teil von Fast & Furious ins Kino gehen.

Ich bin ehrlich: Der Film ist definitiv nicht für jedermann. Ich persönlich fand ihn aber großartig und hoffe sehr, dass Digger durch Word of Mouth doch noch ein bisschen Geld einspielen kann – und vor allem das Publikum findet, das er verdient.

🔥 Bewertung: 9/10

Das war’s von mir – bis zum nächsten Mal!

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